Der Blonde: KnechteBeitrag

Back to the roots 

Einmal einen Sommer auf der Alp verbringen weckt bei vielen romantisch verklärte Vorstellungen. Natur pur, wilde Blumen, duftendendes Heu, Kuhgeläut und Quellwasser. Ein geradezu ideales Setting, um fern von Stress und Hektik zur Ruhe zu kommen, die erschöpften Tastaturfinger für etwas Rechtes zu gebrauchen und im besten Fall auch gleich noch sich selbst zu finden.  

Für mich als Bauernbub stand ein Alpsommer bis vor Kurzem nicht auf der to doe Liste für die zu bestehenden, „aufregenden Abenteuer meines Lebens“. Lange vermied ich es sorgfältig, mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht zu werden. Auf keinen Fall wollte ich als hinterwäldlerisch, dumm und uncool gelten. Lieber trug ich die Hose in den Knien und hörte Reggae – das war weit weniger peinlich, als mit dem Musiklehrer in der Tracht unterwegs zu sein. Und nun also doch- warum tue ich mir das eigentlich an? - ein Sommer lang als Knecht auf 1900m Höhe. Wennschon, dennschon. Ich habe mir einige handfeste, überprüfbare Ziele vorgenommen: Als professioneller Langschläfer, der normalerweise mühelos und chronisch den Wecker überhört, oder auf die letzte Sekunde stellt, werde ich einen Sommer lang nicht verschlafen. 2. Die Kühe einer Rasse sehen für mich alle ungefähr gleich aus – es war mir immer ein Rätsel, wie mein Vater all unsere Tiere auseinanderhalten konnte. Ich möchte mir deshalb die Unterschiede einprägen und alle 24 Kühe beim Namen kennenlernen. Und als Bonusziel: Ich zähle die Käselaibe, die ich einreibe und pflege.

 „Adrian! .. Adrian?“ „Ja, ich komme!“. Es ist 05.00 Uhr.

Franz-Heiri heisst mein Wecker. Gemeinsam mit seiner Frau Agnes bewirtschaftet er diese Alp, wie sein Grossvater und schon sein Urgrossvater. Der Grossvater wurde 92. 92 Sommer hat er auf der Alp verbracht, mein Wecker ist 55 und der 55.Sommer auf der Alp. Kühe melken steht als erstes auf dem Programm. Im Kampf darum, wer der Boss ist, weist die starke Ricola Kuh Flora in die Schranken. Flora weicht gekonnt aus. Dummerweise befinde ich mich zur falschen Zeit am falschen Ort und Floras Horn erwischt mich an der Nase. Es blutet sehr stark, mir wird schwarz vor den Augen und ich bin weg. Vom Träumen zurück zum Sternchensehen. Zehn Minuten lang kann ich kaum atmen, nicht sprechen und nichts bewegen. Mein ganzer Körper kribbelt. Nach einer halben Stunde stehe ich wieder aufrecht. Etwas beduselt zwar, aber das Melken kann weitergehen. Meine Zeit hier oben wird es vermutlich also doch auf die Liste der zu bestehenden Abenteuer schaffen. Gegen 07:00 Uhr sind alle wieder am Tisch und es wird gemeinsam gefrühstückt. Dann geht der Tag erst richtig los. Franz-Heiri verteilt wie jeden Morgen die Arbeit. Käse kehren, Käse einreiben, Zäunen, Fenster putzen, Kühe treiben, Mist zetten, Unkraut spritzen, abwaschen, mähen, die Sense dengeln, kochen oder einem verirrten Touristen ein Plättli servieren. Heute scheint die Sonne, sodass wir im Trocknen in der vorderen Alp Unkraut mähen können, bevor wir uns die kommenden Tage mit den Steigeisen oder Barfuss in die Felshänge wagen. Anschliessend muss noch der Klauenstand zum See herunter getragen werden, da sich eine Kuh verletzt hat. Nichts Schlimmes, aber es muss angeschaut werden. Nachmittags gilt es dann gegen 350 Käse mit Salzwasser oder Molke einzureiben, nach dem „Z’abig“ um 17.30 Uhr geht es wieder in den Stall, um die abendliche Milch zu melken. Um 20:00 Uhr sind alle wieder am Tisch. Es reicht für einen Nachtisch oder einen Abendschnaps, 200 m weiter lässt sich auch noch das GuteNacht SMS versenden. Dann, um halb zehn Uhr kehrt Stille ein in der Hütte.

Die Tage sind lang und streng. Aber schön ist es müde zu sein, wenn die Arbeit sinnvoll ist und du abends siehst, was du gemacht hast. Das Essen schmeckt - ich schätze die Lebensmittel, die entweder selber hergestellt sind, oder zumindest heraufgeschleppt wurden. Wenn letzte Woche in der ganzen Schweiz der Strom ausgefallen, im Weltall Ausserirdische entdeckt, oder facebook Konkurs gegangen wäre – das Leben hier wäre genau gleich weitergegangen. Für einen immer und überall erreichbaren Zigeuner wie mich, der gerne durch die halbe Schweiz gondelt, um schnell in Zürich einen Kaffee zu trinken ist diese Ruhe neu. Trotzdem erlebe ich viele Augenblicke der Vertrautheit.

Sechs Wochen sind vorbei. Knappe Halbzeit. Ich ziehe Bilanz. Sechs Kilogramm habe ich abgenommen. Mein Bart wächst weniger schnell als erhofft (unausgesprochene Regel: man rasiert sich erst wieder im Tal). Die Kuh ist ein Herdentier. Ein Knockout kann dich nicht nur im Boxring ereilen. Die 80-Jährige Grossmutter braucht keine Hilfe beim Zäunen. Sinnvolle Arbeit ist schöne Arbeit. Ich weiss jetzt, warum ich mir das antue. Selbst gemachter Käse schmeckt doppelt so gut. Das Wetter kann blitzartig ändern. Bei guter Sicht, blickst bis zu den italienischen Berge. Efeu, Ricola, Goldeli, Flora... – von den vierundzwanzig kenne ich bis auf vier alle vom Aussehen und Namen. 4306 Käselaibe habe ich eingerieben. Und ja, ich habe verschlafen. Ein einziges Mal.

Sechs Wochen sind vorbei. Knappe Halbzeit. Ich ziehe Bilanz. Ich bin ein Bauernbub und ich bin meinen Eltern sehr dankbar für alles, was sie mir mitgegeben haben und noch geben werden. Bisweilen entdecke ich sogar ein Fünkchen Stolz über diese, meine Herkunft. Ich darf zulassen, dass ich gerne in der Hütte bin, wenn in der Stube ein Örgeli spielt. Unten im Tal, werde ich weiterhin im Chörli jodeln und nebenbei auf Rockkonzerte gehen, den Schlangenkopf im rechten Ohrläppli[1] zur hochgekrempelten Hose mit Happy Socks tragen. Und womöglich wird mein älplerischer Bart im Herbst, nach angemessener Pflege einfach nur ein Moderelikt sein. Vielleicht bin ich einfach Fisch und Vogel. Und das ist in Ordnung so.

Es ist 05.00 Uhr. „Adrian! .. Adrian?“ „Ja, ich komme!“.

  [1] Typischer Ohrring der Toggenburger Tracht.

 

Adrian Iten, 20, ist vom 4. Juli-Ende September auf Alp Spilau UR. Zieht anschließend wieder barfuss für einen Kaffee durch die Schweiz. 

 

 

Mittwoch, 18. Oktober 2017
Dani mit Wandergruppe ZG, LU, AG: Wieder einmal auf die Alp

Wieder einmal besuchten wir die Alp Spilau. Für ein paar Stunden entflohen wir der hektischen Stadt und erholten und bei Franz-Heiri, Agnes, Sandra, Othmar und dem ganzen Team. Es war wieder herrlich - und der Hunger und der Durst wurden auch gestillt. Wir freuen uns bereits wieder auf nächstes Jahr und hoffen dann wieder übernachten zu können.

En ganze liebe Gruess

Dani & Wandergruppe ZG, LU, AG


Montag, 14. August 2017
Othmar: Alpsommer 2017

Alpsommer 2017 endlich wieder ein Eintrag.

 

Der Alpsommer begann für mich anfangs Juni mit der Alpauffahrt. Am Freitag 2. Juni fuhr ich nach Altdorf um mitzuhelfen die Alpauffahrt vorzubereiten. Am 3. Juni war dann die Alpauffahrt. Wir hatten gutes Wetter und es hatte alles bestens geklappt.

 

Am Dienstag 27 Juni ist zügeln in die Spilau angesagt. Am Sonntag 25. Juni reise ich nach Alplen. Am Montag wird einiges vorbereitet für das Zügeln. Der Käse muss von Alplen in den Käsekeller von der Bergstation gebracht werden dann muss er auch noch gewaschen und in einer vorgegeben Reihenfolge eingelagert werden. Simon (der Zivieldienst leistet auf der Alp) und ich machen diese Arbeit. Am Nachmittag heisst es noch die Gülle austun. Es ist sehr heiss. Das Gewitter wartet bis wir fertig sind.

 

Am Dienstag um 8. Uhr starten wir mit den Kühen Richtung Spilau. 8 Personen und 24 Kühe. In der unteren Spilau machten wir einen Halt um uns zu stärken. Nach der Pause gingen wir zur Spilau und die Kühe wurden in den Stall gebunden da es sehr heiss war. Am Nachmittag wurde dann der Plunder noch gezügelt und der Käse in der Bergstation musste nochmals gepflegt werden. Am Abend ging ich dann wieder nach Hause.

 

Am 5 Juli waren wir zu besuch bei Magdalena und Wisel im Proholz bei den Mutterkühen. Begleitet wurde ich von Bernadette und Ueli. wir gingen  zu Fuss von der Talstation vom Käppeliberg ins Proholz. Einen wunderschönen Tag verbrachten wir bei den beiden. Am Abend fuhren wir dann mit der Seilbahn ins Tal.

 

Nächsten Sonntag 16. Juli bin ich für 2 Wochen auf der Spilau mache aktive Ferien. Ich freue mich über viele Besuche.

 

 

 

Othmar

 


Montag, 10. Juli 2017
Othmar: Alpsommer 2016

Der Alpsommer 2016 ist endgültig vorbei.

Meine Aktivferien sind vorbei. Vom 21. August bis 4. September war ich wieder in der Spilau. 2 Wochen fast nur schönes Wetter. Wir hatten wieder viele Gäste und es gab auch wieder viel zu tun. Der Mist vom Altstafel musste ausgetan werden und Wildheu konnten wir auch noch machen. Es war wieder eine schöne Zeit. Christian aus dem Schwarzwald ging am 27. August nach Hause an seinem 18. Geburtstag. Seine Mutter und die jüngere Schwester kamen um ihn abzuholen. Als Ueberraschung gab es ein feines Nachtessen aus dem Schwarzwald und natürlich durfte die Schwarzwäldertorte nicht fehlen. Jetzt waren wir nur noch zu viert. Agnes Franz-heiri Fabian und ich. Am Freitag 2. September war ziggeln angesagt. Wir starteten um 8. Uhr Richtung Alplen und trafen um ca. 10 Uhr ein. Es hat alles bestens geklappt und am Nachmittag wurde dann noch der ganze Plunder noch nach Alplen transportiert. Am Samstag dann noch mit Fabian allen Käse gewaschen in der Spilau. Am Sonntag holte mich dann Bernadette ab und es ging wieder nach Hause. Vielen Dank allen die mit mir zusammen in der Spilau  mitgewirkt haben. Der nächste Sommer kommt bestimmt.

Alpabfahrt Dienstag 27. September

Am Sonntag 25. September fuhren Christian aus Baiersbronn und ich nach Alplen. Da es noch einiges zu tun gab bis zur Alpabfahrt am Dienstag waren wir bereit wieder Hand an zu legen. Am Montag mussten wir noch Güllnen und der Schmuck für die Kühe musste auch noch gemacht werden. Das ist aber vor allem der Bereich für Agnes die das auch jedes Jahr super gemacht hat. Am Montag kam dann auch noch Miriam aus Freiburg Deutschland uns Sabina um mitzuhelfen bei der Alpabfahrt. Am Dienstag morgen trafen noch mehr Helfer ein.  Baschi der im Sommer 3 Wochen auf der Spilau als Helfer dabei war , Oliver der 12 Jährige aus Büron der auch 2 Wochen im August zum helfen da war. Toni aus Obwalden der fast immer dabei ist und viel Erfahrung hat. Natürlich waren die wichtigsten Personen Agens Franz-heiri und Fabian die den ganzen Sommer auf der Alp waren. Am morgen um halb 9 Uhr regnete es noch aber pünktlich um 10 Uhr als wir starteten kam die Sonne zum Vorschein. Die Temperatur war am Morgen noch angenehm aber am Nachmittag an der Axenstrasse war es fast zu warm für die Kühe und auch für das Personal. Nach 6 Std. trafen wir alle müde und wohlbehalten in Altdorf ein. Nach einem feinen Raclette galt es Abschied zu nehmen. Ich fuhr Miriam und Christian noch zum Badischen Bahnhof damit sie schneller zu Hause waren. Das wäre dann der Schluss gewesen von diesem herrlichen Sommer und jetzt freuen wir uns wieder auf den Nächsten und hoffen dass es auch wieder so schön ist und alles bestens klappt.

Ich wünsche allen einen kurzen schönen Winter und vielleicht gibt es ja wieder etwas zu Berichten wenn ich mit den Skiern zur Spilau gehe.

Bleibt gesund und munter

Othmar

 

 

 

 


Donnerstag, 20. Oktober 2016
Freunde aus Luzern, Wolhusen, Eschenbach...: Wieder einmal Danke

Lieber Franz-Heiri, liebe Agnes, liebe Erika und alle Helfer der Familie Furrer

Wir Danken wieder einmal für die schönen Stunden in Eurer Mitte. Es war wieder unglaublich gemütlich und gesellig bei Euch! Das feine Raclette passte ideal zum Wetter und füllte unsere Bäuche, welche wir mit etwas Schnaps beruhigen konnten ;o) und so schliefen wir herrlich in Euren Gästebetten!

Wir freuen uns bereits auf den Ürner Alpchäsmärcht vom 26.+ 27. November 2016. Wir hoffen der Chäs reicht noch bis dann...

En liebe Gruess vo de Frönde us Lozärn, Wolhuse, Eschenbach und Dietu 

 


Sonntag, 21. August 2016
 
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