20.11.2012 - Rückblick Alpsommer 2012

Man darf sagen, kein Sommer ist gleich wie der andere. Schon die Alpzeit kann sehr unterschiedlich beginnen und der Graswuchs ist bei weitem nicht alle Jahre gleich stark auf der Höhe von 2000 m.ü.M. So kann ich mich erinnern, dass es in den Jahren 1970 / 75 / 78 / 87 / 95 erst im August Gras gab. 1987, zum Beispiel zogen wir mit den Kühen am 3. August auf Spilauseeli, wobei es im See noch Gletscherreste vom Winter hatte.

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Am nächsten Tag gab es 30 cm Schnee, der 3 Tage liegen blieb, somit begann der Frühling am 7. August. Oder 1995 konnten die Kühe erst am 24. August zum obersten Melkstall, der auf 1976 Metern liegt. 7 Tage später kam der grosse Schnee, der ein Älpler hoffentlich nur einmal in seiner Zeit erleben muss. Meterhohe Wechten - 3 Wochen war es weiss, fertig war der Sommer. Aber zuerst fängt es in der niedergelegenen Voralp an. Dieses Jahr durften wir am 6 Juni den 19 Kühen die Glocken um den Hals hängen. Bei jeder Kuh wurde die Grösse der Glocke tage zuvor ausstudiert und je nach Vitalität angepasst. Dann ging es um 04.00 Uhr morgens mit lautem Geläut, das einem die Hühnerhaut wachsen lässt auf den 6 Stunde langen Marsch auf der Axenstrasse Richtung Sisikon nach Riemenstalden auf die Voralp Alplen 1400 m.ü.M. Hier beginnt für ca. 110 Tage ein anderes Leben in einer irgendwie anderen Welt. Alplen ist seit 1968 mit dem Auto erreichbar. Im Gegensatz zu unseren weiteren Stäffel, die nur zu Fuss oder mit einer Transportseilbahn erschlossen sind. Insgesamt verteilt sich unsere Alp mit den 19 Gebäude auf sechs Stäffel. Sie wird in der 4. Generation bestossen, die Gebäude gehören uns und der Boden der Korporation Uri. Am 15 Juni zogen wir mit einer Herde von 16 Mutterkühen und 9 Kälbern, die meisten der sehr robusten und gebirgstauglichen Rasse Grauvieh, in die Mittel-Stäfel Fernen und Proholz, die auf ca. 1600 m.ü.M. liegen. Die Herde gehört einem anderen Bauern, wir behüten sie mit Hilfe von meiner Mutter und Vater, für den es heuer der 91 Alpsommer war. Nach 23 Tage war auf den zwei Stäffel in Alplen das Gras von unseren eigenen Kühen abgeweidet. Nun zügelten wir mit Sack und Pack auf die Hochalp Spilau-Seeli und vom Bergbauer Pauli von Riemenstalden stiessen noch vier weitere Kühe dazu. Hier auf 1900 m.ü.M. bekommt unser Alltag schon wieder ein neues Gesicht. Unser Hausteam erwartet eine strenge Zeit. Nebst den Tagesgästen in unserem Beizli haben sich auch schon auf morgen die ersten Touristen zum Übernachten angemeldet. Nun ist von uns Disziplin gefragt, dass wir abends nicht zu lange hocken bleiben, wenn es am Morgen wieder vor fünf heisst auf. In dem Moment, wo man das Gefühl hat man sei erst gerade in das Bett gelegen, kommt mir immer den Spruch von meinem Vater in den Sinn. „ Der fleissige Älpler steht morgens früh auf während die Hosen, die er abends spät am Ofen aufgehängt hat, noch bammeln! „ Fleiss und Ausdauer wurde hier oben von Beginn gefragt. Der strenge Winter mit seinen Naturgewalten war wieder mal so gemein für uns, wie zum Glück nur selten. Wieder wachst uns die Hühnerhaut, aber diesmal aus Frust. So haben die riesigen Schneemassen, die fast über den ganzen Winter vom einseitigen Westwind entstanden sind, uns die Wasserleitung in drei Teilstücken von 10 bis 30 Meter mit samt Boden weggedrückt. Der Transportweg zum obersten Melkstall „Alt Stafel“ fehlte auf 70 Meter. Vorerst überbrückten wir die Stellen mit oberflächig verlegtem Schlauch. In den nächsten Tagen musste die Leitung sofort in den Boden, da wir sonst viel zu warmes Wasser hatten und das Reingraben war selbstverständlich alles Handarbeit in diesem steilen Gelände. Am 6. Juli trieben wir den grösseren Teil der Mutterkuhherde vom Proholz in den höher gelegener Staffel Vorder-Spilau. Vom 11. Juli an, für die nächsten 3 Wochen, melkten wir unsere Kühe im Melkstand am See. Dieser wird jedes Jahr wegen den Lawinen auf- und abgebaut. Der Milchtransport zur Alphütte mit dem Motorkarren beansprucht jetzt täglich eine Stunde mehr Zeit. Dem gegenüber verkürzt sich das Kühezusammentreiben. Am 14. Juli kammen die kleinere, der aufgeteilten Mutterkuhherde, von Färnen auf die steilen Planggen am Fusse vom Rossstock auf Spilau-Seeli. Am 1. August darf ich wieder den Kühen locken für den letzten Auftrieb in dieser Saison zum Alt-Staffel. Von dort oben dauert der Milchtransport noch etwas länger bis die frische Milch in unserem Kupfer-Kessi, in der 2003 neu erbauten Alphütte, ist. Am 20. August brauchte es von mir kein langes Rufen und Locken, denn die Leitkuh Waldi zog gerne allen Kühen voran zum Stall bei der Alphütte. Am 31. August, wegen vorprophezeitem Schnee, ging es mit den Mutterkühen von Vorder-Spilau nach Proholz und der anderen Herde, die schon im Schnee stand als wir abtrieben nach Fernen. Am nächsten Tag lag 15 cm Schnee und dann war auch für uns alle samt Kühen klar, jetzt geht es zurück nach Alplen. Die Mutterkühe holte der Bauer am 15. Sept. und mit den Milchkühen zogen wir am 25. Sept. traditionell geschmückt nach Altdorf. Der Alpsommer ist vorbei ohne Krankheit und Unfall, dafür sind wir dankbar. Die schönen Momente wollen wir in Erinnerung behalten wie z.B. als die 10 jährige Kuh Wonne nach 4 Wochen ununterbrochenen Aufenthalt im Stall, wegen Klauenverletzung, wieder gesund wurde, an die vielen guten und treuen Helfer, an die interessanten Gespräche am Abend mit der Familie und den Übernachtungsgäste usw. Doch alle Arbeit ist noch nicht getan. Die neue, in Eigenarbeit, erstellte Käserei in Alplen ist noch nicht fertig. Viele Käse schlummert jetzt im Keller und warten bis sie von treuen Kunden genossen werden.

Hiermit unser Dank an alle die Alpkäse essen, so kann die Alpwirtschaft auch in Zukunft weiterbestehen!

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Bilder von der Alp

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