02.12.2011 - Reportage von Robi Kuster erschinen im Urner Wochenblatt

Auch beim 90.Alpsommer ist Spilau immer noch mein Paradies.

Der Altdorfer Seffi Furrer verbringt in diesem Jahr den 90. Alpsommer auf Spilau. Seine Begeisterung für das Alpleben ist ungebrochen. Spilau ist leider ein oft leicht vergessenes Paradies auf der andern Seite des Kinzigs.

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Am 21. Juni konnte Josef (Seffi) Furrer seinen 90. Geburtstag feiern. Zu diesem Zeitpunkt weilte der rüstige Älpler mit seiner um zehn Jahre jüngeren Frau Maria bereits auf der Alp Proholz auf Spilau. Hierher war er nämlich schon im zarten Alter von drei Wochen von seinen Eltern mitgenommen worden und seither hat er kein Jahr versäumt, den Sommer hinten in Riemenstalden auf Spilau zu verbringen. „Es wäre mein Untergang, wenn ich nicht mehr hierher kommen könnte", meinte er beim Besuch auf der Proholz-Alp. Schon seit vier Wochen betreut er hier 27 Mutterkühe. Seffi Furrer gibt zu, dass er ohne seine jüngere Frau aufgeschmissen wäre. Zusammen meistern sie aber die Arbeit auf der Proholz-Alp problemlos. Die grösste Arbeit bestehe im Unkraut mähen, sagte er. Gift wolle er keinesfalls einsetzen. Solches sei genügend in der Umwelt. Die Alp liegt auf rund 1600 Metern. In der zweiten Hälfte des Alpsommers wird er für zwei Monate auf die Vorder-Spilau ziehen, wo sein Sohn Franz-Heiri die Hütten selber umgebaut und verbessert hatte. Dann ist er auch wieder näher bei seinem Sohn Franz-Heiri und Agnes sowie ihren geschätzten Grosskindern Erika, Sabina, Sandra und Tobias. Seffi weiss auch um die Gefahren in den Bergen. Aus diesem Grund hat er unweit der Alphütte Proholz eine neue Madonna aus Lourdes in eine einzigartige Felsnische gestellt. Franz-Heiri hatte sie ihm aus Lourdes mitgebracht, da die alte von unbekannt beschädigt worden war. Es sei ein ganz besonderer Ort für sie, betonte Maria beim Gang zum neuen Heiligtum. Bereits hatte eine Wanderin ein kleines Andenken ihres Besuches in die Nische gehängt. So einfach und spartanisch die Proholz-Hütte eingerichtet ist, für Maria und Seffi ist sie ein kleines Paradies, wo sie sich ausgesprochen wohl fühlen. Jeder Besuch freut sie aber, da sie kaum einmal ins Tal hinunter gehen, bis der Herbst Einzug hält. Die verderblichen Nahrungsmittel werden für einen Monat im zurückgebliebenen Schnee tiefgekühlt. Das habe man schon immer so gemacht, lautete die Begründung.

Fremde sind nicht mehr nur Fremde

Weniger einsam als die Proholz-Hütte liegt die Alp Spilau-Seeli von Agnes und Franz-Heiri Furrer. Hier kommen täglich Touristen über die Kinzig-Kulm oder von Riemenstalden vorbei, um sich im heimeligen Alp-Beizli verköstigen zu lassen. Franz-Heiri hat die Korporations-Alp von seinem Vater übernommen und 2003 mit moderner Sennhütte und kleinem Massenlager für 6 Personen versehen. Inzwischen hat er 19 Gebäude zu versichern, die sich in seinem Alpgebiet befinden. Es umfasst rund 46 Normalstoss Kühe. In diesem Jahr sind es 25 Kühe, 15 Mutterkühe und 12 Kälber, die sich vom Unterstafel bis zum Oberstafel aufhalten. Sämtliche anfallenden 450 Liter tägliche Milch werden zu Käse verarbeitet. Ein kleiner Teil davon geht an die Fremden, die hier keine Fremden mehr sind, wie sie vielleicht einmal waren, als kaum jemand von Uri her über den Kinzig stieg. Eigentlich ist Spilau zwar eher eine Enklave in Schwyz als in Uri. Franz-Heiri Furrer weiss heute um die Wichtigkeit der Touristen. „Wir haben fast jedes Wochenende ausgebucht", meinte er. Die meisten Anmeldungen erfolgen über die Homepage, die er sich nicht mehr wegdenken könnte. Jedes Jahr kommen auch treue Gäste aus Deutschland oder Holland mit ihrer Familie in die Ferien. Für die Kinder sei es das Grösste, schmunzelte Franz-Heiri, wenn sie auch einmal bei schlechtem Wetter im Dreck versinken würden. Franz-Heiri und Agnes gehen nur selten in den 6,8 Hektar grossen Talbetrieb in Altdorf zum Heuen. Ansonsten ist der Tag mit allerlei Arbeit und Käsen ausgelastet. Dafür sei aber in erster Linie Agnes verantwortlich. Die Furrers betreiben die Alp in der vierten Generation. Sie ist seit 1991 in den Händen von Franz-Heiri Furrer. Er zeigt sich stolz darauf, dass er die sechsstündige Alpfahrt immer noch zu Fuss macht. Nur ein altes oder behindertes Tier transportiert er mit Auto. Von der Seilbahnhütte kann er zwar ein geländegängiges Fahrzeug einsetzen, aber für die Fahrt braucht er länger, als wenn er zu Fuss geht. Wenn immer auch möglich, sind seine vier halb erwachsenen Kinder auf der Alp und packen zu. Die Furrers beschreiben die Alp als arbeitsintensiv, aber mit einer würzigen Grasnarbe, nicht zu trocken, idyllisch und sehr ertragreich. Für sie ist sie eindeutig Existenzsicherung und keineswegs Anhängsel. Die 3,5 Tonnen Käse verkauft die Familie privat oder am Käsemarkt im Herbst. Am meisten Mühe haben die beiden mit Touristen, die ihren Güsel, Flaschen und Robydog-Säcke einfach im Alpgras entsorgen.

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Bilder von der Alp

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